Keramikmarken & Manufakturen bestimmen: Der große Guide für Sammler und Liebhaber
Aktualisiert: vor 4 Tagen
Keramik und Porzellan erzählen Geschichte – und die Antwort auf Herkunft, Alter und Entwurf verbirgt sich meist auf der Unterseite des Objekts. Wer Keramik sammelt oder Antiquitäten schätzt, kennt das Problem: Ein prächtiges Stück steht vor einem, doch die Bodennummer oder der Bodenstempel gibt Rätsel auf.
In diesem fortlaufenden Guide stellen wir Ihnen bedeutende Manufakturen, bekannte Markenstempel und berühmte Entwürfe vor. Wir erweitern dieses Nachschlagewerk regelmäßig um weitere Traditionsbetriebe, Designer und Bodenmarken – von Jugendstil und Art Déco bis zur Klassischen Moderne.
1. Kieler Kunstkeramik (KKK)
Aktivitätszeitraum: 1924–1930
Stilepoche: Expressionismus, Art Déco, Neoklassizismus
Typische Objekte: Figurative Plastiken, Baukeramik, Vasen, Schalen, expressive Tierdarstellungen
Die Kieler Kunstkeramik AG gehört zu den faszinierendsten, wenn auch kurzlebigsten Kapitel deutscher Keramikgeschichte der Zwischenkriegszeit. Gegründet 1924, zielte das Unternehmen darauf ab, kunstvoll gestaltete Keramik von hoher ästhetischer Qualität für Architektur und den gehobenen Haushalt herzustellen.
Obwohl die Manufaktur nur etwa sechs Jahre existierte, schufen namhafte Künstler und Bildhauer wie Albin Müller (künstlerischer Leiter), Karl Taggesell, Siegfried Lufft oder August Waterbeck Objekte von außergewöhnlicher Ausdruckskraft. Typisch für die Kieler Kunstkeramik sind ihre kräftigen, oft matt schimmernden Glasuren und die ausdrucksstarke, teils expressionistische Formensprache.
Die Bodenmarke der Kieler Kunstkeramik
Die Objekte der Kieler Kunstkeramik sind auf der Unterseite meist prägnant gekennzeichnet:
Das Signet: Die Hauptmarke zeigt die stilisierten Großbuchstaben KKK (oft in einem Kreis, Siegel oder Quadrat angeordnet) oder das Kieler Wappen (die holsteinische Nesselblatt-Form).
Zusätze: Häufig finden sich eingedrückte oder eingeritzte Modellnummern, teilweise auch Künstlermonogramme.
Sonderfall: Durch die kurze Produktionszeit gibt es vergleichsweise wenige Varianten der Marke, was die Zuordnung erleichtert – Fälschungen oder Verwechslungen mit einfacher Gebrauchskeramik der Zeit kommen jedoch vor.
Warum Kieler Kunstkeramik heute so begehrt ist
Aufgrund des sehr kurzen Produktionszeitraums (1924–1930) sind Originalstücke der Kieler Kunstkeramik selten auf dem Markt zu finden. Stücke in gutem Erhaltungszustand gelten unter Sammlern des Art Déco und des deutschen Expressionismus als gesuchte Raritäten.
Nachfolge & Spätphase: Edmund Jensen (1933–1941)
Nach der Insolvenz der ursprünglichen AG im Jahr 1930 übernahm der Kaufmann Edmund Jensen 1933 die Werkstätten von der Stadt Kiel. Unter dem Namen „Kieler Kunstkeramik Edmund Jensen“ lebte die Produktion von hochwertiger Baukeramik sowie edlem Gebrauchs- und Dekorgeschirr wieder auf.
Prägung: Stücke aus dieser Phase tragen meist einen charakteristischen Blindstempel der Manufaktur, oft ergänzt um die Einprägung „Handarbeit“.
Künstlerische Köpfe: Für die feinkeramischen Entwürfe zeichneten nacheinander die Keramiker Fritz Gniesmer und ab 1935 Andreas Kastl verantwortlich. Die Baukeramik betreute der Bildhauer Alwin Blaue.
Ende der Manufaktur: Nach schwerer Zerstörung der Produktionsstätten im Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb rückwirkend zum 1. Dezember 1941 offiziell aufgelöst.


Presstempel / Blindstempel: Marken oder Nummern, die vor dem Brennen tief in den feuchten Ton eingedrückt wurden.
Handarbeit: Ein Qualitätsmerkmal der 1920er/30er-Jahre, das die Kunstfertigkeit gegenüber industrieller Massenware betont.
Lüsterglasur: Eine metallisch oder silbrig schimmernde Glasur, die im Art Déco besonders beliebt war.
👉 Entdecken Sie Originalstücke: Sie suchen nach feiner Keramik aus dem Art Déco? Stöbern Sie in unserem ausgewählten Sortiment bei Etsy.
und im Museum Kulturhaus Kleve. Weiterführende Informationen finden Sie auf der Homepage von Joachim und Angelika Konietzny
Rheinsberger Keramik Manufaktur
Die Geschichte der Rheinsberger Keramik begann 1762 mit der Gründung einer Fayencefabrik, die unter Carl Friedrich Lüdicke schnell an hohem Ansehen gewann und sogar den russischen Zarenhof belieferte. Unter seinem Sohn Karl Valentin etablierten sich im 19. Jahrhundert moderne Fertigungstechniken wie der Stahldruck, während 1816 vor dem Mühlentor ein zweiter Keramikbetrieb entstand. Die Gründungsfabrik schloss 1866 nach über einem Jahrhundert erfolgreicher Arbeit, sodass Rheinsberg fortan durch die Entwicklungen des zweiten Standorts geprägt wurde.
Die Phase von 1850 bis 1945 war durch starkes Wirtschaftswachstum, aber auch durch spätere Krisen und Umbrüche gekennzeichnet. In den Räumen des zweiten Betriebs gründete sich 1895 die Rheinsberger Steingutfabrik R. Schanz & Co., die um 1900 bereits 250 Mitarbeiter beschäftigte und über eine eigene Malerei und Druckerei verfügte. Nach dem Verkauf an C. Carstens im Jahr 1901 wandlung sich das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft um. Die Weltwirtschaftskrise setzte dem Betrieb jedoch zu, sodass die Belegschaft bis 1932 auf 140 Angestellte schrumpfte. Das Ende dieser Epoche markierte das Jahr 1945: Nach der Flucht des Geschäftsführers Ernst Carstens nahm die Belegschaft die Aufräumarbeiten und die Produktion unter treuhänderischer Verwaltung eigenständig wieder auf.






In der Nachkriegszeit folgte 1948 die Enteignung und Umwandlung in den VEB Steingutfabrik Rheinsberg, der trotz eines Großbrandes 1972 auf 300 Mitarbeiter anwuchs. Nach dem Ende der DDR und turbulenten Reprivatisierungsjahren in den 1990ern führten ehemalige Mitarbeiter die Tradition fort: 1994 gründete sich die Rheinsberger Keramik Manufaktur (RKM). Seit 2004 setzt die Keramik Manufaktur Dornbusch (KMD) diese Geschichte fort und fertigt seit 2008 weiterhin Feinsteinzeug.
(Dieser Beitrag wird fortlaufend um weitere Manufakturen und Marken ergänzt. Schauen Sie regelmäßig vorbei oder stöbern Sie direkt in unserem Sortiment!)




Kommentare